Schreitbagger im Rhein: Quagga-Räumung ohne Sicht auf den Grund

Image

Im Juni 2026 blockierten abgestorbene Quaggamuscheln die Schifffahrtsrinne im Rhein zwischen Stein am Rhein und Diessenhofen. NFW Wasserbau hat das Material mit einem Kaiser-Schreitbagger in drei Tagen so weit gelockert, dass die Kursschiffe wieder fahren konnten. Das Schwierige daran: mitten im Fluss arbeiten und dabei den Grund nicht sehen. Die iDig-Baggersteuerung mit Radarerweiterung von GeoLanes hat dem Fahrer Tiefe und Position der Löffelschneide die ganze Zeit in der Kabine angezeigt, auf etwa ±5 cm genau.

Projekt auf einen Blick

  • Ort: Rhein, Schifffahrtsrinne zwischen Stein am Rhein (SH) und Diessenhofen (TG)
  • Zeitraum: Juni 2026, drei Arbeitstage
  • Bauherr: Kantone Schaffhausen und Thurgau
  • Ausführung: NFW Wasserbau
  • Maschine: Kaiser-Schreitbagger
  • Steuerung: iDig-Connect 3D mit Radarerweiterung für den Teleskoparm
  • Aufgabe: Quagga-Ablagerungen auflockern, ohne Sicht auf den Grund
  • Ergebnis: Rinne für Kursschiffe wieder frei, keine Beanstandungen bei den Kontrollmessungen

Inhalt

  1. Ausgangslage
  2. Die Aufgabe
  3. Die Lösung
  4. Das Ergebnis
  5. Was der Einsatz für den Wasserbau zeigt
  6. Häufige Fragen
  7. Über Steidag AG und GeoLanes

1. Ausgangslage: 10.000 Kubikmeter Muscheln in der Fahrrinne

Die Quaggamuschel ist eine eingeschleppte Art und breitet sich seit Jahren im Bodensee und im Rhein aus. Wenn die Muscheln absterben, sammeln sich ihre Schalen in der Schifffahrtsrinne zwischen Diessenhofen und Stein am Rhein. Laut den Schaffhauser Nachrichten liegen dort rund 10.000 Kubikmeter abgestorbene Quagga- und Zebramuscheln. Bei Niedrigwasser reicht die Tiefe dann nicht mehr für die Kursschiffe der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein. 2024 wurde schon einmal ausgebaggert, 2025 stand der Schiffsbetrieb zeitweise still.

Abgestorbene Quaggamuscheln aus der Schifffahrtsrinne im Rhein

Abgestorbene Muscheln aus der Schifffahrtsrinne. (Bild: SRF)

Im Juni 2026 haben die Kantone Schaffhausen und Thurgau entschieden, die Muschelbank in der Fahrrinne noch einmal aufzulockern, damit die Strömung das Material wegträgt. Ausgeführt hat die Arbeiten NFW Wasserbau. Das Zeitfenster war knapp. Die Bedingungen: fließendes Wasser, unbekannter Untergrund, ein Wasser- und Zugvogelreservat von internationaler Bedeutung rundherum und ein Fischereiverband, der genau hinschaut.

2. Die Aufgabe: Baggern, ohne zu sehen, wo man gräbt

Wer im Fluss arbeitet, sieht seinen Löffel nicht. Der Grund ist nicht kartiert, die Muschelbank ist unterschiedlich dick, und jeder Zentimeter zu viel ist ein unnötiger Eingriff ins Gewässer. Jeder Zentimeter zu wenig heißt, dass die Schiffe weiter stehen.

schreitbagger im rhein drohnenansicht

Eine Baustelle mitten im Rhein, von oben gesehen. (Bild: SRF)

Normalerweise löst man das mit Peilstange, Vermesser am Ufer oder einem Kollegen im Boot. Im strömenden Rhein ist das langsam, ungenau und für alle Beteiligten nicht ganz ungefährlich.

3. Die Lösung: iDig-Baggersteuerung auf dem Schreitbagger

NFW Wasserbau hat einen Kaiser-Schreitbagger eingesetzt, ausgerüstet mit iDig-Connect 3D und der Radarerweiterung von GeoLanes für den Teleskoparm. Geliefert und eingerichtet hat das System die Steidag AG, unser Partner in der Schweiz.

Schwarzer Kaiser-Schreitbagger von NFW Wasserbau bei der Quagga-Räumung im Rhein

Der Schreitbagger von NFW Wasserbau in der Fahrrinne. (Bild: Michel Canonica, Thurgauer Zeitung)

Der Fahrer sieht Höhe, Tiefe und Position der Löffelschneide live auf dem Display in der Kabine. Die Referenzhöhe wurde mittels GNSS per Höhenabnahme an einem Referenzpunkt gesetzt. Ab dem Moment war bei jedem Löffelzug klar, wo der Grund liegt und wie viel schon abgetragen ist. Ohne Sicht, ohne Peilen, ohne zweiten Mann im Wasser.

Ein Radarsensor misst laufend, wie weit der Teleskoparm ausgefahren ist, und rechnet das in die Position ein. Weil der Fahrer den Arm weit ins Wasser hinaus teleskopieren konnte, hat er auch tiefere Stellen erreicht und die Böschungen der Fahrrinne exakt im vorgegebenen Winkel hergestellt. Wie die Erweiterung funktioniert, steht im Beitrag zur Maschinensteuerung für Schreitbagger.

So sieht das System auf einem Kaiser-Schreitbagger aus:

Video: Die iDig-Baggersteuerung mit Teleskoplängenmessung auf einem Kaiser-Schreitbagger. Das Video zeigt das System allgemein, nicht den Einsatz im Rhein. Auf YouTube ansehen

Warum überhaupt ein Schreitbagger? Weil er die einzige Maschine ist, die sich auf unebenem, unbekanntem Flussgrund sicher abstützt und mit dem Teleskoparm trotzdem weit kommt. Deshalb war er hier die richtige Wahl.

iDig-Display und LED-Anzeige in der Baggerkabine zeigen die Grabtiefe an

Display und LED-Anzeige der iDig-Baggersteuerung in der Kabine. Symbolbild, nicht vom Einsatz im Rhein.

4. Das Ergebnis: In nur 3 Tagen ist die Rinne frei

Nicht zu tief, nicht zu viel, aber alles weg, was gestört hat. Genau diese Präzision war gefragt: einmal ausheben, und die Tiefe passt auf wenige Zentimeter genau.

 

Verfärbung im Rhein zeigt, wie gelockertes Muschelmaterial abgeschwemmt wird

Die Strömung trägt das gelockerte Material ab, gut zu sehen an der Verfärbung im Wasser. (Bild: Michel Canonica, Thurgauer Zeitung)

  • Dauer: drei Arbeitstage
  • Ergebnis: Die Schifffahrtsrinne war für die Kursschiffe wieder passierbar.
  • Genauigkeit: etwa ±5 cm
  • Personal: ein Fahrer
  • Zeitersparnis: nach unserer Einschätzung rund 50 Prozent, weil das ständige Nachkontrollieren entfallen ist
  • Kontrolle: Bei den anschließenden Kontrollmessungen der Naturschutz- und Schifffahrtsbehörden gab es keine Beanstandungen.

„Im Wasserbau sind präzise 3D-Geländemodelle und exakt modellierte Fahrrinnen entscheidend. Durch den Teleskopausleger erreichen wir auch größere Tiefen, ohne dabei an Genauigkeit zu verlieren. So können wir selbst anspruchsvolle Arbeiten unter schwierigen Bedingungen effizient und hochpräzise ausführen.“

Pascal, NFW Wasserbau

Über den Einsatz haben regionale und nationale Medien berichtet, unter anderem SRF, die Schaffhauser Nachrichten und die Thurgauer Zeitung.

5. Was der Einsatz für den Wasserbau zeigt

Im Gewässer ist Genauigkeit vorgeschrieben. Wer nur so tief gräbt wie nötig, hält den Eingriff klein, und genau das erwarten Fischereiaufsicht und Kanton. Eine Baggersteuerung liefert diese Genauigkeit auch dort, wo der Fahrer nichts sieht.

Dazu kommt die Sicherheit. Jeder Kontrollgang, der aus der Kabine erledigt wird, ist einer weniger im strömenden Wasser oder am rutschigen Ufer.

Und die Wirtschaftlichkeit: ein Fahrer, drei Tage, Rinne frei. Ohne Steuerung wären Vermessungspersonal, Peilarbeiten und Nacharbeiten dazugekommen.

Dasselbe Prinzip greift bei vielen anderen Arbeiten im und am Wasser:

  • Bachverbauung und Sohlsicherung
  • Ufer- und Buhnenbau
  • Räumung von Geschiebe, Schwemmholz und Sedimenten
  • Arbeiten in Stauräumen und Rückhaltebecken

6. Häufige Fragen zum Einsatz

Warum ein Schreitbagger und kein Schwimmbagger?

Ein Schwimmbagger oder ein Bagger auf einem Ponton ist ständig in Bewegung und verändert laufend seine Position in Höhe und Lage. Exaktes Arbeiten lässt sich so nicht garantieren. Der Schreitbagger steht dagegen direkt auf dem Flussgrund, ist schnell vor Ort und braucht keine Wasserstraßenlogistik. Mit 3D-Positionierung arbeitet er auf wenige Zentimeter genau, ohne dass Strömung oder Last seine Position verändert.

Wie weiß der Fahrer im Wasser, wie tief er gräbt?

Sensoren an Ausleger, Stiel und Löffel messen die Position der Löffelschneide. Die Steuerung zeigt Tiefe und Höhe relativ zur gesetzten Referenz live in der Kabine an. Zusätzlich gibt es eine patentierte LED-Anzeige mit gelben, grünen und roten LEDs: Grün heißt optimale Tiefe, Gelb zu hoch, Rot zu tief.

Funktioniert iDig bei Nässe und Spritzwasser?

Ja. Die Sensoren sind staub- und wasserdicht, kabellos und laufen mit Solarakkus. Sie sind gekapselt und mit Gas gefüllt, damit die Elektronik optimal geschützt ist.

Lässt sich iDig auf einen bestehenden Schreitbagger nachrüsten?

Ja, herstellerunabhängig und in einem Arbeitstag. In der Schweiz sind Hand Baumaschinen und die Steidag AG Ihre Ansprechpartner, in Österreich GeoLanes und Wacker Neuson.

7. Über Steidag AG und GeoLanes

Die Steidag AG aus Uznach ist GeoLanes-Partner für iDig-Baggersteuerungen in der Schweiz und betreut Kunden von der Auswahl bis zur Einrichtung auf der Maschine. GeoLanes sitzt in Nenzing in Vorarlberg und entwickelt und vertreibt Assistenz- und Baggersteuerungssysteme für Spezialmaschinen, darunter die Teleskoparm-Erweiterung für Schreitbagger.

Sie arbeiten im Wasserbau oder mit Schreitbaggern? Fragen Sie eine Beratung an oder rufen Sie uns an: +43 720 317440. In der Schweiz erreichen Sie die Steidag AG direkt.

Zurück zum Blog

Taking your business to the next level

Bei uns bekommst Du mehr als ein Produkt: Du erhälst eine Lösung. Individuell und zukunftsfähig. Wir beraten Dich gerne.