Kurz zusammengefasst: Schreitbagger hatten lange ein Problem mit der Maschinensteuerung: Der Teleskopausleger verändert ständig die Geometrie der Maschine, und damit stimmt keine Anzeige mehr. GeoLanes hat deshalb die iDig-Baggersteuerung um eine Erweiterung ergänzt, die den Teleskopierweg per Radar misst und in die Berechnung einrechnet. Das System läuft auf Schreitbaggern von Menzi Muck und Kaiser, erreicht etwa ±3 cm Genauigkeit, braucht keine Wartung und rechnet sich meist in 9 bis 11 Monaten.
Auf einen Blick
- System: iDig-Baggersteuerung mit Teleskoparm-Erweiterung von GeoLanes
- Messprinzip: Radarsensor von Baumer misst den Teleskopierweg, wartungsfrei
- Genauigkeit: etwa ±3 cm bei eingefahrenem und etwa ±5 cm bei ausgefahrenem Arm, absolut im 3D-Modell
- Im Einsatz auf: Schreitbaggern von Menzi Muck und Kaiser
- Entwicklungszeit: rund zwei Jahre, getestet auf Baustellen in Österreich und der Schweiz
- Amortisation: meist 9 bis 11 Monate
- Nachrüstung: herstellerunabhängig, in einem Arbeitstag, ohne Schweißen oder Bohren
Inhalt
- Was ist eine Schreitbaggersteuerung?
- Warum Schreitbagger bisher außen vor waren
- Die Lösung von GeoLanes
- Radar statt Laser oder Seilzug
- Genauigkeit
- Alle iDig-Funktionen
- Für wen sich das lohnt
- Nutzen im Alltag
- Entwicklung mit den Anwendern
- Einsatz im Rhein
- Häufige Fragen
- Fazit
1. Was ist eine Schreitbaggersteuerung?
Eine Schreitbaggersteuerung ist eine 2D- oder 3D-Maschinensteuerung für Schreitbagger. Sie zeigt dem Fahrer Höhe, Neigung und Position der Löffelschneide direkt in der Kabine an. Anders als bei Ketten- oder Mobilbaggern muss sie die veränderliche Geometrie des Teleskopauslegers laufend mitrechnen.
2. Warum Schreitbagger bei der Maschinensteuerung bisher außen vor waren
Der Grund ist der Teleskopausleger, also ausgerechnet die größte Stärke des Schreitbaggers. Eine normale Baggersteuerung rechnet mit festen Längen zwischen den Sensoren an Ausleger, Stiel und Löffel. Sobald der Teleskoparm ein- oder ausfährt, stimmen diese Längen nicht mehr. Damit stimmt auch keine Anzeige mehr.
Bei Ketten- und Mobilbaggern stellt sich dieses Problem nicht. Dort gehört eine 2D- oder 3D-Steuerung heute fast schon zur Ausstattung: Der Fahrer sieht in der Kabine, wo seine Löffelschneide steht, arbeitet nach digitalem Geländemodell und muss kaum noch aussteigen, um nachzumessen.
Es gab zwar erste Ansätze, den Teleskopierweg per Laser zu messen. Im Praxiseinsatz haben sie sich aber als zu empfindlich erwiesen: Staub, Regen und Nebel führten immer wieder zu Messausfällen oder unzuverlässigen Werten. Für den täglichen Einsatz reicht das nicht.
Ausgerechnet die Fahrer, die im Steilhang, im Bachbett oder in der Wildbachverbauung am genauesten arbeiten müssen, hatten also keine verlässliche digitale Unterstützung. Über die Jahre haben uns immer wieder Betreiber gefragt, ob wir das nicht hinbekommen. Jetzt haben wir es hinbekommen.
3. Die Lösung: iDig-Baggersteuerung mit Teleskop-Erweiterung von GeoLanes
GeoLanes sitzt in Nenzing in Vorarlberg. Wir entwickeln und vertreiben Assistenz- und Baggersteuerungssysteme für Spezialmaschinen. Auf Basis der iDig-Baggersteuerung haben wir eine Erweiterung gebaut, die genau für Schreitbagger mit Teleskopausleger gedacht ist.
Ein Radarsensor am Ausleger misst in Echtzeit, wie weit der Teleskoparm ausgefahren ist. Dieser Wert geht direkt in die Positionsberechnung der Steuerung ein. Höhe, Distanz, Neigung und Position der Löffelschneide bleiben dadurch auch beim Ein- und Ausfahren korrekt. Kein Nachkalibrieren, keine Unterbrechung.
Getestet haben wir das auf Schreitbaggern von Menzi Muck und Kaiser, und zwar nicht in der Halle, sondern auf echten Baustellen. Heute läuft das System im täglichen Einsatz.
Video: Die iDig-Baggersteuerung mit Teleskoplängenmessung auf einem Kaiser-Schreitbagger. Auf YouTube ansehen
4. Teleskopweg messen: Warum Radar statt Laser oder Seilzug?
Radar misst auch bei Staub, Regen, Nebel und starker Sonne zuverlässig, hat keine Verschleißteile und braucht keine Wartung. Den Teleskopierweg zu messen, ist nämlich der eigentliche Knackpunkt. Dafür gibt es drei Wege: Seilzugsensoren, Lasermessung oder Radar. Bei GeoLanes stand Radar von Anfang an fest.
| Kriterium | Radar (GeoLanes) | Laser | Seilzug |
|---|---|---|---|
| Staub, Schlamm, Nebel | unempfindlich | anfällig (Optik) | anfällig (Mechanik) |
| Regen, Spritzwasser | unempfindlich | anfällig | anfällig |
| Starke Sonne | unempfindlich | störanfällig | neutral |
| Verschleißteile | nein | nein | ja |
| Wartung | keine | Reinigung nötig | regelmäßig |
Schreitbagger arbeiten dort, wo es dreckig, nass und rau ist. Ein Sensor, der bei Nebel im Bachbett oder bei Staub im Forstweg aussteigt, hilft niemandem. Der Radarsensor liefert unter all diesen Bedingungen stabile Werte. Er fällt nur dann aus, wenn die Sichtverbindung zwischen Sensor und Reflektor komplett verdeckt ist.
Die größte Hürde in den zwei Jahren Entwicklung war übrigens nicht die Software. Es war die Suche nach einem Sensor, der am Ausleger genau genug misst. Gefunden haben wir ihn bei Baumer. Der Radarsensor wurde für hochgenaue Abstandsmessungen zum Boden entwickelt und steckt unter anderem in Erntemaschinen führender Hersteller. Er ist für den Dauereinsatz unter rauen Bedingungen gebaut und misst auch bei Regen, Tau, Staub oder Pflanzenresten im Messbereich präzise.
Baumer bringt jahrzehntelange Erfahrung in der Radarsensorik mit, und das hat man in der Zusammenarbeit gemerkt. Der Austausch auf Hard- und Softwareebene war jederzeit kompetent und lösungsorientiert und hat maßgeblich dazu beigetragen, dass das System heute so funktioniert.
Wie der Radarsensor den Teleskoparm überwacht, sehen Sie in diesem Video:
Video: iDig 3D-Baggersteuerung für Schreitbagger mit Teleskopüberwachung per Radarsensor. Auf YouTube ansehen
5. Wie genau ist die Steuerung am Schreitbagger?
Die iDig-Steuerung mit Teleskop-Erweiterung von GeoLanes erreicht am Schreitbagger etwa ±3 cm bei eingefahrenem und etwa ±5 cm bei ausgefahrenem Teleskoparm. Vermessen wird bei eingefahrenem Arm. Im Detail:
- etwa ±3 cm bei eingefahrenem Arm, gerechnet von der GNSS-Antenne bis zur Löffelschneide. Das entspricht der Genauigkeit einer normalen iDig-Steuerung.
- etwa ±5 cm bei ausgefahrenem Arm, gerechnet von der GNSS-Antenne über den ausgefahrenen Teleskoparm bis zur Löffelschneide. Der Unterschied kommt vom Spiel im Ausleger und Löffelstiel des Baggers, nicht vom Messsystem.
Das sind absolute Genauigkeiten im 3D-Modell. Alle Fehlerquellen sind darin schon enthalten: die Genauigkeit der GNSS-Korrekturdaten, das Spiel in Bolzen und Buchsen und auch Verdrehungen des Baggers unter Last.
Für Böschungen, Grabenprofile, Bachverbauungen und Wegebau im Gebirge reicht das locker. Und es ist in jedem Fall genauer und schneller als Aussteigen und Nachmessen.
6. Alle iDig-Funktionen bleiben erhalten
Die Teleskop-Erweiterung ergänzt die iDig-Steuerung. Der Fahrer hat also weiterhin alles, was er von iDig kennt:
- GPS- und GNSS-Unterstützung
- Höhenkontrolle und Schwenkkontrolle
- Geländemodelle einspielen oder direkt am Bagger erstellen
- Arbeiten mit 3D-Oberflächen
- alle Positionsdaten in Echtzeit in der Kabine
Höhen, Distanzen und Positionen liest er direkt vom Sitz ab. Dazu kommt die patentierte LED-Anzeige: Grün heißt optimale Tiefe, Gelb zu hoch, Rot zu tief. Wie das Grundsystem funktioniert, lesen Sie im Beitrag iDig Baggersteuerung: 2D, 3D und GNSS-Rover ohne Kabel.
7. Für wen sich die Schreitbaggersteuerung lohnt
Für alle, die einen Schreitbagger im Einsatz haben:
- Lohn- und Tiefbauunternehmen
- Forst- und Wasserbauunternehmen
- Wildbach- und Lawinenverbauung
- Energieversorger und Gemeinden
- Spezialfirmen im alpinen Gelände
Meistens sind das erfahrene Maschinenführer und Betriebe mit einer oder zwei Maschinen. Genau für sie haben wir entwickelt. Sie erwarten etwas, das auf der Baustelle funktioniert, und keine theoretischen Konzepte.
8. Was der Baggerfahrer im Alltag davon hat
Er kommt schneller voran
Kein ständiges Aussteigen zum Nachmessen. Die Maschine steht schneller richtig, es gibt weniger Unterbrechungen, und der Arbeitsbereich wird besser genutzt. Alles, was bisher Kontrolle von außen brauchte, läuft jetzt aus der Kabine.
Er arbeitet sicherer
Schreitbagger stehen im Steilhang, im Wasser, in der Bachverbauung, im Forst. Dort ist jedes Aussteigen ein Risiko, für den Fahrer, aber auch für den Kollegen, der im Gefahrenbereich der Maschine Höhen anzeigen muss. Mit der Steuerung passieren deutlich mehr Mess- und Kontrollarbeiten vom Sitz aus.
Die Investition rechnet sich schneller als beim Standardbagger
Nach der Erfahrung von GeoLanes amortisiert sich eine normale Baggersteuerung meist nach 1 bis 1,5 Jahren. Beim Schreitbagger sind es typischerweise 9 bis 11 Monate. Im schwierigen Gelände zählen eingesparte Nachmessungen, weniger Personal und weniger unnötige Maschinenbewegungen einfach mehr als auf der flachen Baustelle.
9. Zwei Jahre Entwicklung, gemeinsam mit den Anwendern
Rund zwei Jahre haben wir an der Teleskop-Erweiterung gearbeitet, die ganze Zeit eng mit Schreitbaggerbetreibern in Österreich und der Schweiz. Getestet wurde auf Maschinen von Menzi Muck und Kaiser, unter den Bedingungen, unter denen sie auch sonst arbeiten. Drei von ihnen erzählen, was sich für sie verändert hat:
„Wir arbeiten überwiegend im Bereich der ÖBB und haben oft nur sehr kurze Zeitfenster für unsere Tiefbauarbeiten. Mit der Radarerweiterung und der iDig-Steuerung spare ich Zeit, Treibstoff und vor allem Nerven. Die Baustelle passt von Anfang an, Nacharbeiten fallen nahezu komplett weg. So können wir unsere Projekte deutlich effizienter abwickeln.“
Thomas, Gerlinger Erdbau, Grein (Oberösterreich), Bagger von Menzi Muck
„Im Seilbahnbau müssen wir Fundamente häufig an schwer zugänglichen und anspruchsvollen Standorten errichten. Dank der exakten 3D-Positionierung im Gelände entfällt das ständige Nachjustieren und Ausprobieren. Jeder Hub sitzt auf Anhieb, ohne dass ich die Maschine mehrfach umsetzen oder neu abstützen muss. Das spart enorm Zeit, Diesel und Maschinenstunden. Zusätzlich wird die Sicherheit auf der Baustelle erhöht.“
Mike, Handl Forstarbeiten, Bagger von Kaiser
„Im Wasserbau sind präzise 3D-Geländemodelle und exakt modellierte Fahrrinnen entscheidend. Durch den Teleskopausleger erreichen wir auch größere Tiefen, ohne dabei an Genauigkeit zu verlieren. So können wir selbst anspruchsvolle Arbeiten unter schwierigen Bedingungen effizient und hochpräzise ausführen.“
Pascal, NFW Wasserbau, Schweiz, Bagger von Kaiser
10. Im Einsatz: Schreitbagger mit iDig-Steuerung mitten im Rhein
Was eine Baggersteuerung auf dem Schreitbagger bringt, hat sich im Juni 2026 im Rhein gezeigt. NFW Wasserbau hat mit einem Kaiser-Schreitbagger die von Quaggamuscheln blockierte Schifffahrtsrinne zwischen Stein am Rhein und Diessenhofen freigeräumt. In drei Tagen, ohne Sicht auf den Grund. An Bord war iDig-Connect 3D mit unserer Radarerweiterung, geliefert und eingerichtet von unserem Schweizer Partner Steidag.
Die ganze Geschichte lesen Sie in der Fallstudie Schreitbagger im Rhein.
11. Häufige Fragen
Gibt es eine 3D-Maschinensteuerung für Schreitbagger mit Teleskoparm?
Ja. GeoLanes hat die iDig-Baggersteuerung um eine Teleskop-Erweiterung ergänzt. Sie misst den Teleskopierweg per Radar und rechnet ihn in die Position ein, sodass alle Anzeigen auch beim Ein- und Ausfahren korrekt bleiben.
Auf welchen Schreitbaggern läuft das System?
Im Praxiseinsatz auf Maschinen von Menzi Muck und Kaiser. Für andere Hersteller fragen Sie bei GeoLanes einfach an.
Kann ich meinen bestehenden Schreitbagger nachrüsten?
Ja. iDig ist herstellerunabhängig und lässt sich auf bestehende Maschinen nachrüsten. Ab der Bestellung begleitet GeoLanes Sie durch alle Schritte. Die Montage der 2D- oder 3D-Steuerung samt Radarsensor, das Einmessen und die Einschulung des Fahrers dauern pro Bagger zusammen einen Arbeitstag. Geschweißt oder gebohrt wird dabei nicht, alle Teile werden mit hochfesten Klebstoffen aus dem Flugzeugbau befestigt. Am nächsten Tag sind Bagger und Fahrer einsatzbereit.
Wie genau ist das Ganze?
Etwa ±3 cm bei eingefahrenem und etwa ±5 cm bei ausgefahrenem Teleskoparm. Das sind absolute Werte im 3D-Modell, gemessen von der GNSS-Antenne bis zur Löffelschneide. Darin sind alle Fehlerquellen enthalten, von der Genauigkeit der Korrekturdaten über das Spiel in Bolzen und Buchsen bis zu Verdrehungen des Baggers unter Last.
Warum wird der Teleskopweg per Radar gemessen und nicht per Laser?
Weil Staub, Nebel, Regen und Sonne dem Radar nichts ausmachen, weil nichts verschleißt und weil nichts gewartet werden muss. Genau das braucht man am Schreitbagger.
Wie schnell rechnet sich das?
Meist in 9 bis 11 Monaten, je nach Einsatzstunden und Baustellen.
Brauche ich GPS oder eine Basisstation?
Für 2D nicht. Für 3D-Geländemodelle braucht es GNSS, das bringt iDig-Connect mit. Das Support-Team von GeoLanes begleitet Sie durch den Antragsdschungel und hilft Ihnen bei den Koordinatensystemen. Passende GNSS- und RTK-Ausrüstung gibt es ebenfalls bei GeoLanes.
12. Fazit zu Baggersteuerungen mit Radar für Schreitbagger
2D- und 3D-Maschinensteuerung gibt es jetzt auch für Schreitbagger mit Teleskoparm. Zuverlässig, genau und wirtschaftlich. Gebaut für Fahrer, die dort arbeiten, wo andere Maschinen längst aufgegeben haben.
Sie haben einen Schreitbagger und wollen wissen, ob das System auf Ihre Maschine passt? Vereinbaren Sie einen Beratungstermin, fragen Sie eine Vorführung an oder rufen Sie uns an: +43 720 317440.