Eine Drohne mit Wärmebildkamera ist inzwischen Standardausrüstung bei Feuerwehren, Netzbetreibern, Photovoltaik-Dienstleistern und in der Forstwirtschaft. Die Auswahl ist trotzdem nicht trivial, weil sich die Systeme in genau den Punkten unterscheiden, die im Datenblatt am unscheinbarsten aussehen. Dieser Beitrag ordnet die wichtigsten davon ein und zeigt, welche Modelle bei uns dafür infrage kommen.
Radiometrisch oder nicht: der wichtigste Unterschied
Thermalkameras zerfallen in zwei Gruppen. Nicht radiometrische Kameras liefern ein Wärmebild, in dem warm und kalt sichtbar sind, aber kein verlässlicher Temperaturwert je Bildpunkt hinterlegt ist. Radiometrische Kameras speichern für jeden Pixel einen Temperaturwert, der sich später am Rechner auslesen und auswerten lässt.
Für die reine Personensuche in der Nacht reicht die erste Gruppe oft aus. Sobald Sie Befunde dokumentieren, vergleichen oder in einem Bericht belegen müssen, etwa bei einer PV-Anlage oder einer Trafostation, führt an einer radiometrischen Kamera kein Weg vorbei. Die DJI Matrice 4T arbeitet mit einer radiometrischen Thermalkamera in 640×512 bei 12 µm Pixelabstand und 30 Hz.
Auflösung: warum 640×512 der praktische Richtwert ist
Thermalsensoren haben eine deutlich geringere Auflösung als Tageslichtkameras. 640×512 ist im professionellen Bereich der gängige Wert. Er entscheidet darüber, aus welcher Höhe ein Objekt noch als Objekt erkennbar bleibt und nicht nur als warmer Fleck. Je höher Sie fliegen dürfen oder müssen, desto wichtiger wird dieser Wert.
Was bei Nachteinsätzen sonst noch zählt
Ein Wärmebild allein reicht selten. Wer nachts sucht, will das Ziel auch im Sichtbaren bestätigen. Die Matrice 4T kombiniert deshalb drei Dinge: eine 48-MP-Weitwinkelkamera, eine 48-MP-Telekamera mit bis zu 112-fachem Hybrid-Zoom und die Thermalkamera. Dazu kommt ein integrierter NIR-Scheinwerfer mit rund 100 m Reichweite sowie ein Laser-Entfernungsmesser für Distanz- und Koordinatenmessung.
Ein integriertes KI-Modell erkennt Personen, Fahrzeuge und Boote auf Distanz. FlyTo und Cruise Control entlasten die Pilotinnen und Piloten während des Einsatzes.
Die Modelle im Sortiment
In der Kategorie Wärmebilddrohnen führen wir derzeit sieben Systeme. Die wichtigsten Linien sind:
- DJI Matrice 4T, die kompakte Thermal-Variante der Matrice-4-Enterprise-Serie mit integriertem Kamerakopf.
- DJI Matrice 4TD, die Dock-Variante für den stationären, wiederkehrenden Einsatz ohne Pilot vor Ort.
- DJI Matrice 400, die größere Plattform mit wechselbaren Nutzlasten.
Wer die Plattform bereits hat und nur den Sensor braucht, findet mit der DJI Zenmuse H30T eine Nutzlast mit Thermalkanal. Alle Sensoren im Überblick: Kameras & Sensoren.
Vier Einsatzfelder, vier unterschiedliche Anforderungen
BOS und öffentliche Sicherheit. Hier zählen Nachtfähigkeit, Scheinwerfer, Zoom und schnelle Einsatzbereitschaft. Passende Systeme finden Sie unter BOS & Sicherheit.
Photovoltaik und Energie. Defekte Module und Hotspots zeigen sich thermisch. Entscheidend ist hier die radiometrische Auswertung, weil der Befund dokumentiert und nachvollzogen werden muss. Mehr unter Photovoltaik & Energie.
Inspektion von Bauwerken und Anlagen. Wärmebrücken, Feuchtigkeit und Leckagen werden aus der Luft sichtbar, ohne Gerüst und ohne Befahranlage. Siehe Industrie & Inspektion.
Forst und Jagd. Wildtiersuche, Kitzrettung und Flächensuche im Bestand. Übersicht unter Forst & Jagd.
Was Sie vor dem Kauf klären sollten
- Brauchen Sie auswertbare Temperaturwerte oder nur ein Wärmebild? Das entscheidet über radiometrisch oder nicht.
- Fliegen Pilotinnen und Piloten vor Ort, oder soll die Drohne aus einem Dock automatisiert starten?
- Wie oft fliegen Sie nachts? Davon hängt ab, ob Scheinwerfer und Zoom Pflicht sind.
- Ist der Sensor fest verbaut oder wechselbar? Ein Wechselsystem kostet mehr, hält aber die Plattform länger nutzbar.
- Wie sind die Einsatzbedingungen bei Nässe und Kälte? Prüfen Sie die Angaben zu Betriebstemperatur und Schutzart genau.
Technische Daten der DJI Matrice 4T
- Max. Flugzeit: bis 49 Minuten ohne Nutzlast
- Startgewicht: ca. 1,22 kg
- Weitwinkelkamera: 48 MP
- Telekamera: 48 MP, bis 112× Hybrid-Zoom
- Thermalkamera: 640×512 radiometrisch, 12 µm, 30 Hz
- NIR-Scheinwerfer: integriert, bis rund 100 m
- Laser-Entfernungsmesser: ja
- Übertragung: DJI O4 Enterprise mit 8 Antennen, bis 25 km (FCC) / 12 km (CE)
- Positionierung: integriertes RTK-Modul (L5), GNSS und Vision-Fusion
- Hinderniserkennung: omnidirektional, 6 Fisheye-Stereokameras plus IR nach unten
- Max. Geschwindigkeit: 21 m/s
- Betriebstemperatur: -20 °C bis 50 °C
- Akku: Matrice 4 Serie, 99,5 Wh, Hot-Swap
- IP-Schutzklasse: DJI gibt für die Matrice 4 Serie keine genormte IP-Klasse an
Häufige Fragen
Wie lange fliegt die DJI Matrice 4T?
Bis zu 49 Minuten ohne Nutzlast. Mit voller Ausstattung liegt der reale Wert eher bei 38 bis 42 Minuten.
Welche Kameras hat die Matrice 4T?
Eine 48-MP-Weitwinkelkamera, eine 48-MP-Telekamera mit 112× Hybrid-Zoom und eine radiometrische 640×512-Thermalkamera.
Hat sie einen Scheinwerfer?
Ja, einen integrierten nahinfraroten Scheinwerfer für Nacht- und Dämmerungseinsätze.
Gibt es einen Laser-Entfernungsmesser?
Ja, für präzise Distanz- und Koordinatenmessung.
Welche KI-Funktionen sind an Bord?
Die Erkennung von Personen, Fahrzeugen und Booten auf Distanz zur Unterstützung von Such- und Rettungseinsätzen.
Welche Übertragungsreichweite hat sie?
Über DJI O4 Enterprise bis zu 25 km nach FCC beziehungsweise 12 km nach CE.
Worin unterscheidet sich die 4T von der 4E?
Die 4T bietet zusätzlich eine radiometrische Thermalkamera und einen NIR-Scheinwerfer. Die 4E ist auf Vermessung und Kartierung optimiert.
Hat die Matrice 4T eine genormte IP-Schutzklasse?
Nein. DJI gibt für die Matrice 4 Serie keine genormte IP-Schutzklasse an.
Beratung
Welche Drohne mit Wärmebildkamera zu Ihnen passt, hängt weniger am Sensor als an Ihrem Einsatzprofil: Nachtanteil, Dokumentationspflicht und die Frage, ob ein Mensch vor Ort startet. Sagen Sie uns, wie Ihr typischer Einsatz aussieht, dann grenzen wir die Auswahl gemeinsam ein.
Alle Wärmebilddrohnen ansehen oder Beratungsgespräch vereinbaren.